So wie Uganda in den Reiseführeren als „the Pearl of Africa“ bezeichnet wird ,heißt es über Rwanda „the country of the thousand hills“ und so abgedroschen diese Bezeichnungen auch sein mögen, sie stimmen.
Vor knapp 2 Wochen habe ich mich mit 2 Freunden auf nach Rwanda Kigali gemacht. Freitagabend habe ich die Bustickets besorgt und um kurz vor 12 nachts saßen wir dann im Bus nach Kigali (sehr zu meiner Erleichterung, da ich meinen Pass zuerst auf dem Dorf vergessen hatte und dann nocheinmal zurückfahren durfte (80km hin 80km zurück ca 4 stunden im taxi…)).
Mit schöner Musik im Ohr rasten wir durch die Nacht.
Gegen 5 Uhr morgens machten wir einen Stop in Mbarara, einer Stadt südewestlich in Uganda, dort gab es leckeren Chai ( typisch afrikanische Art den Tee zu trinken: eine Tasse heiße Milch, einen Teebeutel schwarzer Tee, viel Zucker und der Chai ist fertig), Toastbrot und ein hartgekochtes Ei, das war ein Frühstück, welches im Busticket inbegriffen war, toller service
Gestärkt ging es dann wieder in den Bus und wir näherten uns der ruandischen Grenze.
Da es draußen langsam hell wurde und die Landschaften an denen wir vorbei rauschten nun deutlich zu erkennen waren , war an weiterschlafen nicht zudenken, so schaute ich gebannt aus meinem Busfenster und bestaunte die atemberaubende Landschaft. Viel hügeliger als bei mir in Nkozi, das saftige grün fand ich jedoch auch hier wieder, wobei man sagen muss, dass es in ganz Uganda seit mehr als einem Monat nicht mehr richtig geregnet hat und die Pflanzen am Straßenrand nicht wie sonst in ihrem leuchtenden grün erstrahlen , sondern vielmehr silber, braun staubig bedeckt sind.
Gegen 7 kamen wir dann an der Grenze an und reihten uns in die schier unendliche Schlange an der Passkontrolle ein. Die Temperaturen dort waren deutlich niedriger als sonst und ich kam mir fast wie im Spätherbst in Deutschland vor (man konnte seinen Atem sehen!)
. Zum Glück hatte ich genügend Kleidungsstücke dabei, sodass ich mir den allseitsbekannten Zwiebellook zu nutze machte und im Fließpulli, mit Mütze und Kapuze durch die Gegend stapfte.
Als deutsche Staatsbürger braucht man in Rwanda kein Visum, also bekamen wir unseren Exitstempel in Uganda und unsere Entrancestempel in Rwanda.
Zurück im Bus fielen unsere Augen dann doch noch einmal zu, sodass wir erst in Kigali aufwachten, als alle möglichen Leute ausstiegen und wir verschlafen realisierten : Endstation.
Da ich aus einigen Erzählungen von Bekannten, die bereits in Kigali gewesen waren, ein bisschen ein Bild von Kigali in meinem Kopf hatte, war ich nicht sonderlich überrascht auf den Bodas nur einen Fahrer und einen Mitfahrer zu sehen und auch die Helmpflicht für beide war zwar ungewohnt aber dennoch nicht vollkommen fremd ( außerdem ist das ja auch so in Deutschland
). Lustig war es dann dennoch mit Helm durch die Gegend zu fahren.
Die guten Straßenverhältnisse Kigalis sind aber wirklich hervorzuheben!! Sauberer ist es außerdem auch als in Kampala.
Nebenbei: Rwanda gilt als eines der sichersten Länder Afrikas.
Im Parlament sitzen fast 50% Frauen, das ist weltweit einmalig!
Nach einer kleinen Irrfahrt durch Kigali fanden wir endlich ein Hostel, was unsere Bedürfnisse stillte und in unseren Geldbeutel passte.
Nach einer erfrischenden Dusche , einem leckeren Mittagessen machten wir uns dann gemeinsam mit dem Sohn der Hostelfamilie auf Entdeckungsreise in Kigali. Wir marschierten einen sehr steilen Hügel hinauf und besuchten das Richard Kant Museum, was mehr mit seiner Aussicht über die Stadt überzeugte, als mit dem Inhalt der Ausstellung.
Danach suchten wir den deutschen Supermarkt auf der auch nicht so wirklich überzeigen konnte , als wir dann von Peter ,dem Sohn der Hostelfamilie, in ein wunderschönes, kleines ,lokales Restaurant geführt wurden, waren alles zufrieden und bei einem leckeren Buffett ließen wir den Abend ausklingen und fielen nach dem Abstieg zurück im Hostel sofort in unsere Betten
.
Am nächsten Tag besuchten wir eine Gedenkstätte und ein Mahnmal des Genozids von 1994.
Am eindruckstvollsten und erschreckensten war der Besuch eines original Schauplatztes, eine Kirche ca 40 km außerhalb von Kigali, ich kann nicht beschreiben wie es dort war, ich denke man muss dort gewesen sein…
Auf unserem Rückweg trafen wir dann noch einen Lehrer, der 1994, während des Genozids und dem Masaker in der Kirche in dem Ort war…er erzählte uns nichts direktes aber die Art und Weise wie er über Zukunft und Wahrheit sprach ließ ahnen, was er gesehen hat. Beim Abschied stellte sich dann auch heraus, dass er vollkommen betrunken war und das Mittags um eins…
Auf dem Rückweg nach Kigali sprachen wir auch ein wenig über unsere Gedanken die uns nach dem Besuch der verschiedenen Gedenkstätten kamen, hingen dann aber doch unseren eigenen Gedanken nach….
Zurück in Kigali war geplant den Bus abends zurück nach Kampala zunehemen, als wir unser Ticket buchen wollten, wurde uns gesagt, dass dieser Bus schon voll sei und wir auf den um 5.00Uhr morgens ausweichen sollten…sehr wiederwillig taten wir das dann auch. Da wir nicht die Nacht durchmachen wollten ,beschlossen wir zurück ins Hostel zugehen, dass dann jedoch ausgebucht war…glücklicherweise hatte das Hostel neben an noch freie Betten und so ließen wir uns dort nieder.
Zum Teil verfolgten wir dann noch in einer Kneipe das WM-Endspiel, aufgrund meiner Müdigkeit ging ich aber früher und legte mich schlafen.
Nachts gegen 3 Uhr bekam dann einer meiner Freunde eine SMS aus Uganda, dass in Kampala 2 Bomben hochgegangen seien und es einige Tote und viele Verletzte gäbe.
Da unsere Handynetzte jedoch nicht in Rwanda funktionierten, sondern nur empfangen konnten, mussten wir warten bis zum nächsten Tag, als wir dann wieder auf ugandischer , heimischer Seite waren, sofort versuchten wir alle Freunde und Bekannte in Kampala zuerreichen und waren sehr erleichtert, dass niemanden etwas passiert war. Nach und nach bekamen wir dann Informationen was vorgefallen war…
Da der Bus direkt an der Hauptstrasse ,die auch an meinem Dorf liegt vorbeifährt ließ ich mich dort raus.
Abgesehen von den Geschehnissen in Kampala bin ich sehr froh den Kurztrip nach Rwanda gemacht zu haben…
Der Bus um 5.00Uhr ermöglichte mir übrigens im nachhinein die Vulkanhügel, die Wasserfälle und die ewiglangen Teefelder Rwandas zu bestaunen, sodass ich nicht selten glaubte durch die Kulisse von Herr der Ringe und dem Auenland zu fahren..
Eigentlich hätte ich auch wunderbares Veranschauungsmaterial, leider ist auf meiner Speicherkarte ein Virus…so muss dann eben meine Beschreibung ausreichen
Hui Ev,
Wahnsinn, du hast ein neues Wort erschaffen und ich finde, du solltest versuchen den ” Fließ ” Pulli künstlerisch umzusetzen.
Take care
die Hex